Im Heimatschutzministerium sorgt man sich um das Bild der USA in ausländischen Zeitungen. Nun soll eine Software entwickelt werden, die Berichte automatisch auswertet und Stimmungen erfasst - um Bedrohungen gegen die USA frühzeitig zu erkennen.
Die USA haben nicht den besten Ruf in der Welt. Der Krieg gegen den Irak, Geheimgefängnisse in Osteuropa, Ignoranz beim Klimaschutz - es gibt viele Themen, an denen sich Kommentatoren in Zeitungen von Kaschmir bis Oslo reiben.
Das Heimatschutzministerium hat nun beschlossen, die Stimmung in der internationalen Presse systematisch zu erfassen. Man wolle negative Meinungen über die USA früh erkennen und so auch mögliche Gefahren, sagte ein Vertreter des Ministeriums der "New York Times".
An der Entwicklung der Medienüberwachungssoftware arbeiten Wissenschaftler der Cornell University, der University of Pittsburgh und der University of Utah. Mit 2,4 Millionen Dollar finanziert das Heimatschutzministerium die Arbeiten.
Man wolle "gemeinsame Muster in verschiedenen Informationsquellen erkennen, die auf potentielle Bedrohungen für das Land hindeuten", sagte ein Ministeriumssprecher. Der Aufbau des Systems werde mehrere Jahre dauern. "Wir wollen verstehen, wie scharf eine Rhetorik ist und den Unterschied zwischen bösartig und sehr kritisch erkennen." Eine Überwachung von US-Medien sei jedoch nicht vorgesehen.
Das Forschungsvorhaben, was auch immer man davon hält, ist ambitioniert. Die automatische Analyse von Texten wird seit Jahren intensiv erforscht. Vor allem aber, wenn es um das Einschätzen von Stimmungsnuancen geht, kommen Algorithmen schnell an ihre Grenzen.
Der Informatiker Gilad Mishne und seine Kollegen von der Universität Amsterdam versuchen mit ihrer Software Moodviews, den Gemütszustand der Blogosphäre zu erfassen. Dabei nutzen sie jedoch auch Mood-Tags, Gefühlsmarken, mit denen Blogger auf dem Portal Livejournal.com ihre Texte markieren können. Zur Auswahl stehen 132 Zustände von amüsiert, ängstlich und hungrig bis hin zu betrunken oder verliebt.
Kommentatoren sind bisher nicht dafür bekannt, ihre Texte mit derartigen Mood-Tags zu markieren. Die Software, die das Heimatschutzministerium jetzt entwickeln lässt, muss Emotionen allein anhand des Textes erkennen.
US-Korrespondenten ausländischer Medien zeigten sich irritiert von dem Vorhaben des Heimatschutzministeriums. Andrej Sitov von der russischen Agentur Itar-Tass sagte der "New York Times", er hoffe, es gehe nicht darum, Kritik an US-Regierung oder US-Präsident zu unterdrücken. "Das ist es, was dieses Land groß macht - die offene Gesellschaft, in der Menschen ihre eigene Regierung kritisieren können."
Lucy Dalglish, eine Anwältin und Direktorin des Reporters Committee for Freedom of the Press kritisierte die Überwachungspläne scharf: "Das ist gruselig und Orwellsch."
hda
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